Überall wird um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt. Sei es online mit Ads, offline mit Plakaten und Flyern oder auf unserem Handy mit Push-Nachrichten. Jede App möchte beachtet werden  und es ist ein zentrales Anliegen von Unternehmen, dass ihre App so oft und so rege wie möglich genutzt wird. So ist es naheliegend, dass beim Entwicklungsprozess irgendwann der Wunsch aufkommt, doch noch (womöglich auf die Schnelle) Benachrichtigungen einzubauen. Aber wann macht das überhaupt Sinn? Und wie viel Aufwand steckt tatsächlich hinter einer Notification?

Notifications benötigen ein Konzept

Push-Nachrichten lassen sich ausschalten – etwas, das viele Nutzende längst tun aber etwas, dass Unternehmen natürlich vermeiden wollen. Somit sollte man sich im Vornherein bereits gut überlegen, wann und in welchem Umfang Notifikationen in der eigenen App sinnvoll sind. Dazu ist ein Konzept zwingend nötig. Es lohnt sich, bereits früh im Entwicklungsprozess darüber nachzudenken und sich diese Zeit zu nehmen und den Sinn (oder Unsinn) von Notifications als Bestandteil der eigenen App sorgfältig abzuklären. Dazu gehört nebst dem Abschätzen des technischen und finanziellen Aufwands auch die Fragen nach dem Zweck für den User. 

Im Meer aus Notifications bestehen jene, die für den User den meisten Nutzen haben, ohne ihn zu zuzuspamen. Bild: unsplash, Jonas Lee

Die wichtigste Frage

Es gibt im Prinzip eine zentrale Frage, die sorgfältig beantwortet werden muss, ehe man sich in die Programmierung von Benachrichtigungen stürzt: Was ist der Zweck der Notification? Geht es «nur» darum, die User zur Interaktion zu bewegen oder liefere ich wichtige Inhalte und einen effektiven Nutzen? Und wenn ja: Welchen? Nutze ich damit nur mir selbst, respektive dem Unternehmen, oder haben auch meine User einen Mehrwert durch die geplanten Notifications? Hier gilt es – wie auch bei der Konzeption der App insgesamt – die Sicht des Users nie aus dem Blick zu verlieren. 

Erzwungene Interaktion führt zu null Interaktion

Sieht der User keinen Zweck hinter der Nachricht auf seinem Screen, wird er sie ziemlich sicher ziemlich schnell deaktivieren. Der wohl schlechteste Grund, einem User eine Notification zu schicken ist der, ihn zum Nutzen der App bewegen zu wollen – also die forcierte Interaktion. Hier zeigt sich auch, warum ein Konzept wichtig ist, das bereits die Frage nach Push-Benachrichtigungen mit einschliesst: Die App an sich sollte für den User einen Nutzen bringen! Wenn es nötig wird, die Nutzer*innen mit einer Pushmeldung zum Öffnen der App zu bewegen, dann sollte man vermutlich den zentralen Aspekt der App nochmals überdenken. Fühlt sich der User zum Nutzen der App genötigt oder gezwungen, wird er im schlimmsten Fall die ganze App löschen. 

Zu viele Notification zu unnötigen Informationen laufen in Gefahr, deaktiviert zu werden. Im schlimmsten Fall können sie mitunter ein Grund sein, warum ein User die App gar löscht. Bild: Bitforge

Eine für Alle?

Die zweite Frage stellt sich bei der Personalisierung. Sollen die entsprechenden Benachrichtigungen an alle User ausgespielt werden oder ist eine Personalisierung aufgrund unterschiedlicher Parameter notwendig? Wenn ja, warum? Hier steht einerseits natürlich erneut der Nutzen für den User im Zentrum, allerdings entscheidet hier auch das Entwicklungs-Budget über die Möglichkeiten. Personalisierte Notifications sind technisch komplexer umzusetzen, was in der Konzeption berücksichtigt werden muss.

Individuelle Nutzung steht im Fokus

Die dritte Frage, die sich stellt, ist diejenige der Art der Notification. In einem früheren Post haben wir die unterschiedlichen Möglichkeiten von Benachrichtigungen zusammengefasst – sie ist hier zu finden. Je nach Zweck und Budget empfiehlt sich entsprechend eine andere Methode. 

Ausserdem kam mit dem Release von iOS 15 neue Möglichkeiten auf die Smartphones – beispielsweise können User neu Notifications von bestimmten Apps priorisieren, oder zu gesammelten «Zusammenfassungen» bündeln. Die Organisation von Benachrichtigungen wird also zunehmend den Nutzer*innen übergeben – umso wichtiger ist es auch für Entwickler*innen, den Notifications einen höheren Stellenwert zu geben und in der Inhaltsplanung entsprechend zu Berücksichtigen.

John Oliver hat sich kürzlich dem Thema Push Notifications angenommen. Quelle: Youtube (https://www.youtube.com/watch?v=kxatzHnl7Q8)

Im richtigen Moment benachrichtigen

Genauso wie bei der Frage nach Berechtigungsfreigabe, ist auch für Push-Notfications der Zeitpunkt und der Umfang entscheidend (Hier findest du mehr zum Permission Handling). 

Für den User sollte immer klar sein, warum er eine Push-Meldung erhält. Auch ist es wichtig zu erklären, warum er diese Nachricht erhält. Diese Frage erübrigt sich natürlich bei News-Apps, bei allen anderen Applikationen ist es durchaus sinnvoll, mehr Input zu liefern.

Technisch sehr aufwändig

Auch wenn eine kleine Nachricht auf dem Screen des Nutzers als eine «simple Sache» erscheint, ist das Einrichten von Push-Notifications sehr aufwändig und komplexer als man meint. Für die Implementation einer Benachrichtigung, die ohne Segmentierung an alle Nutzer*innen geht, müssen zwei Wochen fürs Programmieren eingeplant werden. Möchte man jedoch den Usern die Möglichkeit geben, die Benachrichtigungen auszuschalten, vielleicht sogar zu segmentieren, dann wird das schnell  noch aufwändiger. Daher lohnt es sich, sich vorher zu überlegen, in welcher Form und mit welchem Zweck die App mit Notifications versehen werden soll: Lieber keine Push-Nachrichten als solche, die den User nur zuspammen, ohne ihm zu nützen. 

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