AR Murtendiorama

Geschichte zum Leben erweckt

Die Schlacht bei Murten live erleben

Bereits seit dem 19. Jahrhundert dienen Dioramen dazu, den Menschen Geschichte und Geschichten näher zu bringen. Nun ist es jedoch so, dass diese Modelle eine sehr statische Form der Wissensvermittlung sind. Gemeinsam mit dem Landesmuseum Zürich machten wir uns auf, dies zu ändern.

Das Murtendiorama im Landesmuseum Zürich berichtet von der ruhmreichen Schlacht in Murten anno 1476, als die Eidgenossen den burgundischen Herzog Karl den Kühnen besiegten und so zur anerkannten Militärmacht aufstiegen.

Das aus 6’000 Zinnsoldaten bestehende Diorama stellt diese Schlacht in 6 Etappen dar. Mithilfe unserer Augmented Reality-App werden diese 6 Phasen nun so animiert und zum Leben erweckt, dass der Zuschauer das Gefühl bekommt, bei der Entscheidung um den Sieg in den Burgunderkriegen live dabei zu sein.

Projektziele

Das statische Diorama zum Leben erwecken

Geschichte auf moderne Art vermitteln

Komplexes mit AR vereinfachen

Herausforderungen

Zu Beginn stand unser Entwickler-Team vor einem Dilemma: Einerseits muss das Tracking der App tagein, tagaus perfekt funktionieren, ohne dass das Modell von jedem User wieder neu gescannt wird. Dies bedingt jedoch, dass der App eine Vielzahl an Tracking-Punkten zur Verfügung gestellt werden. Dies resultiert wiederum in einem Datensatz, welcher den App-Start unnötig in die Länge zieht.

Das Problem konnte schliesslich umgangen werden, indem die Daten nur beim jeweils ersten App-Start komplett geladen werden müssen und anschliessend im Memory zur Verfügung stehen. So kann vermieden werden, dass jeder neue User die gesamten AR-Daten jedes mal neu laden muss.

Eine weitere Schwierigkeit während des Projektes war der Fakt, dass die App auf ein fix installiertes Modell zugeschnitten ist. Ein Modell notabene, das unseren Entwicklern während der Corona-Zeit und dem damit verbundenen Lockdown nahezu nicht zur Verfügung stand. Also wurde das Modell so gut es ging vermessen und die gesamte App auf einem von Hand nachgezeichneten Modell entwickelt:

Testing

Die AR-App kann leider am Jury-Tag nicht getestet werden, da sie nur in Kombination mit dem Murtendiorama funktioniert, welches im Landesmuseum fix installiert ist. Eine vom Diorama losgelöste Verwendung ist leider nicht möglich, da der alleinige Zweck der App aus der Augmentierung des Modelles besteht.

Das Murtendiorama steht im Landesmuseum Zürich und kann in Absprache mit Giuseppe Simili, Projektleiter bei Bitforge, gerne kostenlos besichtigt und getestet werden. Für Termin-Absprachen könnt ihr euch gerne per Mail an ihn wenden: giuseppe.simili@bitforge.ch

Ansonsten seht ihr sämtliche App-Funktionalitäten im Video:

Warum AR?

Das Murtendiorama stellt die Schlacht bei Murten dar, welche historisch in 6 Phasen unterteilt werden kann. Bisher wurden diese 6 Phasen klassisch dargestellt: Ein per Knopfdruck aktivierter Scheinwerfer lenkte den Blick auf eine Phase, dazu gab es zu jeder Phase eine Texttafel, welche den gerade aktiven Teil der Schlacht erklärte.

Augmented Reality schafft es spielend, die Lücke zwischen Modell und Information zu schliessen. Statt ständig vom Modell wieder auf eine sich neben dem Diorama befindenede Tafel und wieder zurück schauen zu müssen, können Besucher ganz in die Schlacht bei Murten eintauchen. Einmal gestartet können sie sich frei um das Diorama bewegen, sich in der stattfindenden Schlacht verlieren und an wichtigen Punkten per 360°-Video noch näher ans Geschehen ranzoomen. Ausserdem werden Schlüsselpersonen gesondert hervorgehoben und mit nützlichen Informationen versehen präsentiert.

So gelingt es, den Besuchern das komplexe Thema auf immersive Art und Weise näher zu bringen und ihnen das Verständnis stark zu erleichtern: Wissensvermittlung mit AR neu gedacht.

Innovation

Die AR-App auf den vom Landesmuseum zur Verfügung gestellten iPads modernisiert die Informationsvermittlung im traditionellen Museums-Umfeld und gibt jedem Besucher die Möglichkeit, selbst über Geschwindigkeit und Tiefe, mit welcher er sich mit dem Murtendiorama auseinandersetzen möchte, zu entscheiden. Dadurch wird der Museumsbesucher aus seiner gewohnten Beobachterrolle herausgerissen und wird plötzlich Teil der Ausstellung, deren Ablauf er dank „AR Murtendiorama“ selbst bestimmen kann.

Functionality

Die App „AR Murtendiorama“ schafft es, Museumsbesucher aller Altersklassen abzuholen und ein komplexes Thema stark zu vereinfachen. Dies wird erreicht, indem eine klare User-Führung das eher unübersichtliche Diorama durch Animationen und grafische Darstellungen stark gliedert und die Kontrolle in die Hände der Besucher gibt. So entscheiden diese selbst, was sie sehen möchten, wo sie mehr Informationen benötigen und in welchem Tempo sie die Schlacht bei Murten nachstellen möchten.

Usability

Augmented Reality ist das als Storytelling-Tool der Zukunft. Durch den Einsatz von AR kann ein für die Geschichte unseres Landes sehr wichtiges Ereignis verständlich und unterhaltsam vermittelt werden. Ausserdem sorgen viele ausgefeilte Details für ein unterhaltsames und lehrreiches Erlebnis.

Education

Der interaktive Unterricht wird in Schweizer Schulen immer wichtiger. Das Landesmuseum Zürich ist sich seiner Verantwortung als Teil des Schweizer Nationalmuseums in diesem Bereicht bewusst und stellt Lehrern schon seit Längerem interaktive Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.

Die App „AR Murtendiorama“ ist zwar nur vor Ort einsetzbar, setzt in Sachen Informationsvermittlung jedoch gerade für Digital Natives neue Masstäbe und soll dadurch künftig ein Fixpunkt in Museumsbesuchen von Schulklassen werden.

Technologie

Da schon von Anfang an klar war, dass die App schlussendlich auf zur Verfügung gestellten iPads zum Einsatz gelangen wird, konnte die App massgeschneidert entwickelt werden. Aus diesem Grund setzten wir das iOS-exklusive ARKit-Feature „AR World Map“ ein, welches das Rückgrat des Trackings bildet. Damit kann am Diorama eine World Map abgemessen, auf dem iPad gespeichert und beim nächsten App-Start wieder geladen werden. Die grösste Herausforderung bestand im reduzieren der Ladezeiten für das Mapping – dieses Problem konnte durch cleveres Priorisieren der Lade-Zeitpunkte verschiedener Datensätze gelöst werden.

Der Augmented Reality-Teil wurde mit der Vorreiter-Enginge Unity mit ARFramework umgesetzt, wobei für die grafischen Effekte ein aufwändiges, mehrstufiges Post-Processing zum Zug kommt.