PastZurich Update: User Testing, drei Brillen und eine lebendige AR-Experience
Mit Augmented Reality durch ein längst verschwundenes Dorf spazieren: Das ist nicht mehr nur auf dem Zürcher Sechseläutenplatz möglich. Seit 2021 ermöglicht die PastZurich App einen faszinierenden Blick in die Pfahlbauzeit, über 3000 Jahre v. Chr. In unserem neusten Update haben wir die App grundlegend umgebaut, um die Geschichte der Pfahlbauer interaktiver und greifbarer zu machen.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und zeigen, wie wir mithilfe von User Testing die App für völlig unterschiedliche Nutzerbedürfnisse optimiert haben.
Die Ausgangslage: Warum ein Update?
Die bisherige Version von pastZurich bot ein immersives Erlebnis, war jedoch geografisch an den historischen Fundort auf dem Sechseläutenplatz gebunden. Mit dem Update sollte diese Einschränkung aufgelöst werden. Wir haben uns bei der Weiterentwicklung auf konkrete Ziele fokussiert:
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Die App soll komplett ortsunabhängig werden, damit sie auf dem Schulhof genauso gut funktioniert wie im eigenen Wohnzimmer oder im Park.
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Der Wiederspielwert muss deutlich steigen, um die User zu motivieren, die App mehrfach zu nutzen, statt sie nach einem einmaligen Besuch wieder zu schliessen.
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Die Geschichte der Pfahlbauer soll nicht länger nur passiv konsumiert, sondern von den Usern aktiv erlebt werden.
Lösungsansatz: Gamification und neue Features
Um diese Ziele zu erreichen, haben wir neue Gameplay-Elemente integriert, die über die klassische AR-Betrachtung hinausgehen.
User können nun Ressourcen sammeln und damit Schritt für Schritt eigene Häuser bauen. Dieser Core-Loop gibt den Nutzern eine aktive Rolle und motiviert langfristig. Zusätzlich haben wir ein kurzweiliges Bogenschuss-Minispiel eingebaut. Es lockert die reine Informationsvermittlung auf und bietet eine spannende, spielerische Herausforderung in der AR-Umgebung.
Der Reality Check: Unser User Testing
Eigene Meinungen und Annahmen im Entwicklerteam sind schön und gut, aber für echte Insights führt kein Weg an Gesprächen mit der Zielgruppe vorbei. Im Zusammenhang mit dem Update haben wir daher gemeinsam mit dem Amt für Städtebau ein intensives User Testing durchgeführt.
Wir haben acht Personen aus unterschiedlichen Altersgruppen und mit diversen demografischen Hintergründen eingeladen. Das Ziel bestand darin, herauszufinden, wie die neuen Gamification-Elemente ankommen und wie sich die neue Ortsunabhängigkeit auf das Verhalten in der App auswirkt.
Die Kern-Insights: Drei Brillen, drei Realitäten
Spannend an User Testings ist oft, wie die unterschiedlichen Hintergründe der Personen ihre “Brille” prägen, mit der sie eine App betrachten. Wir konnten bei den Tests klare Muster erkennen und haben drei stark ausgeprägte Nutzertypen identifiziert, die das Erlebnis völlig unterschiedlich angingen:
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Da waren zum einen die Gamer, für die der Spielfortschritt klar im Zentrum stand. Sie wollten Ressourcen sammeln, bauen und zügig vorankommen. Unsere wichtigste Erkenntnis hier war, diese Gruppe nicht durch zu lange Textpassagen in ihrem Flow auszubremsen.
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Ein völlig anderes Verhalten zeigten die Kartenleser. Sie konzentrierten sich zur Orientierung derart stark auf die 2D-Karte, dass sie die AR-Welt grösstenteils ignorierten. Das verlangte nach cleveren visuellen Reizen im Design, um ihren Blick sanft in die erweiterte Realität zurückzulenken.
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Schliesslich gab es die passionierten Info-Nerds. Sie nahmen sich enorm viel Zeit und lasen alle historischen Fakten rund um die Pfahlbauer genau durch. Für sie war entscheidend, das Interface nicht mit zu vielen Spielelementen zu überladen, um die historische Immersion zu wahren.
User-Befragung für das pastZurich App Update
Fazit: Vom Test zur erfolgreichen Umsetzung
Die grösste Herausforderung im UX Design besteht darin, genau solche konträren Bedürfnisse in einer einzigen, intuitiven Oberfläche zu vereinen. Dank der klaren Insights aus dem Testing wussten wir genau, wo der Feinschliff nötig war.
Wir haben visuelle Hinweise für die Navigation optimiert, den Game-Loop für die Spieler flüssiger gestaltet und gleichzeitig sichergestellt, dass die historischen Fakten zugänglich und ungestört bleiben. Das Resultat ist ein rundum erneuertes pastZurich, das die Balance zwischen Gaming und Wissensvermittlung meistert.
Das abgeschlossene Projekt zeigt deutlich: Erst das Feedback echter User macht aus einer guten Funktion ein grossartiges Erlebnis.
Wenn du mehr über die pastZurich App und die technische Umsetzung erfahren willst: zur pastZurich Referenz.